Coming out eines Familienvaters

Vor einigen Tagen sah ich die NDR-Reportage „Mein Mann ist schwul – Coming out eines Familienvaters“ und fand sie so berührend, dass ich hier gerne ein paar Gedanken dazu veröffentlichen will.

Die Geschichte ist – denke ich – schon fast typisch für einen Familienvater, der sich outet: Es keimen erste Gedanken ans Schwul sein auf, man probiert sich aus, man redet mit der Ehefrau/Freundin darüber und dann auch mit den Kindern. Doch wann ist der „richtige“ Zeitpunkt es den Kindern zu sagen? Die Eltern in der Reportage entscheiden sich dafür, die Kinder sehr früh mit einzubeziehen. Mit Anzusehen wie die Kinder aber noch hofften, dass ihr Papa doch bei der Familie bleibt bzw. gar nicht wussten wie es weiter geht, tat mir sehr weh. Meine Eltern sagten es mir erst, als feststand, dass sie sich trennen und Papa ausziehen würde. Im ersten Moment war ich natürlich enttäuscht, dass sie das so lange vor mir geheim gehalten haben, aber im Nachhinein bin ich doch sehr froh darüber. Natürlich habe ich damals gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Ich habe es aber immer auf den Tod meiner Großeltern geschoben, die kurz vor dem Outing meines Vaters gestorben waren. Für mich war nie die Nachricht, dass mein Vater schwul ist, schlimm oder beängstigend, sondern die Tatsache, dass meine Eltern sich trennen.

Ich bin froh, dass damals keine Unklarheit und Unsicherheit geherrscht hat, sondern klare Verhältnisse, die mich aufgefangen haben und das Wissen, dass meine Eltern trotz Trennung immer für mich da waren und sind.

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11 Gedanken zu „Coming out eines Familienvaters

  1. Hallo Anna Lena, es ist mitten in der Nacht und ich lese unter Tränen dein blogpost. Ich bin selbst ein schwuler Vater, der das Schwulsein erst nach der Geburt meiner Tochter -vor 3 Jahren gemerkt hat. Jetzt ziehe ich nächste Woche aus und weine jede Nacht wie ein Schlosshund. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich meine 3 Jährige Tochter im Stich lasse. Vielleicht werde ich nie mehr glücklich oder packe es nicht vor lauter Schmerz. Das Leben ist grausam. Wie ich sehe bist du aber auf einem guten weg in eine spannende Zukunft. Wünsch dir alles gute. Vg marco

    • Lieber Marco, es freut mich immer sehr, wenn auch schwule Väter meinen Blog finden! Ich wünsche dir viel Kraft bei diesem Schritt nächste Woche und hoffe, dass du deine Tochter trotzdem weiter sehen kannst/darfst.LG Anna-Lena

  2. Hi, ich komme gerade vom Coming Out vor meiner 15jährigen Tochter in meine Wohnung zurück. Es war eine Situation, die mir schon seit Tagen schwer im Magen gelegen hat, aber meine Erklärung war nicht mehr aufschiebbar. Für mich hatte, und hat noch immer die Ehrlichkeit einen sehr hohen Stellenwert im Leben.
    Jetzt zur Vorgeschichte…
    Ich bin Mitte vierzig und habe in der Pubertät gemerkt, dass mich Jungen und Mädchen gleichermaßen anziehen. Mit Anfang zwanzig habe ich mich nach einigen kürzeren oder längeren Beziehungen mit Mädchen aufgemacht, das schwule Leben zu erkunden. Weit bin ich aber nicht gekommen. Ich war damals der Meinung, dass die sexuelle Komponente unzertrennlich mit Liebe verknüpft sein müsse. Da ich aber keinen Mann finden konnte, für den ich Liebe empfand, hatte ich auch keine Gelegenheit der körperlicher Erfahrung. Und genau in diesem Zeitraum traf ich meine Frau. Es war DIE große Liebe vom ersten Augenblick an. Meine Frau wusste schon recht früh in der Beziehung, dass ich auch Empfindungen für Männer haben kann. Wir schworen uns, dass so lange wir glücklich in unserer Beziehung sein würden, von dieser Seite keinerlei Gefahr zu erwarten sei. Und so kam es wie es kommen musste, Heirat, Haus, guter Job, drei Kinder – heute 19, 15 und 5 Jahre alt. Also die glückliche rosarote Zuckerguss-Vorstadt-Idylle. Unser Glück währte bis vor rund vier Jahren. Geburt des letzten Kindes, mein neuer Job, Anspruchsverhalten an allen Fronten… Langsam aber sicher ging unsere glückliche Beziehung des Bach runter. Und so schlechter sie wurde, desto mehr spürte ich, etwas Neues erfahren zu müssen. Die ganze Situation blieb bis Ende 2012 mehr oder weniger stabil. Bis ich mit schweren Depressionen in eine Klinik eingeliefert wurde. Und dort setzt man sich gnadenlos mit dem eigenen Ich auseinander und erschließt Wege, wieder ohne Seelenqualen leben zu können. So auch ich. Nach meiner Entlassung haben wir uns ein halbes Jahr Zeit gegeben, wieder zueinander zu finden. Wir haben es nicht geschafft.
    In meiner Zeit in der Klinik hatte ich mich mit meinen offen schwulen Zimmernachbarn angefreundet. Er lebte damals auch in einer langjährigen Beziehung, die aber auch schwer angeschlagen war.
    Im September vergangenen Jahres haben wir unsere Kinder über meinen bevorstehenden Auszug informiert. Die große Tochter hat es recht locker weggesteckt „Hauptsache ihr seid wieder glücklich“, der Kleine fand es spannend zwei „Zuhause“ zu haben. Aber für meine jüngere Tochter ist die Welt zusammengebrochen.
    Ich wohne seit Ende letzten Jahres alleine. In dieser Zeit hat sich die Freundschaft zu meinem Zimmernachbarn, der sich zwischenzeitlich auch von seinem Partner getrennt hatte, in enge Zuneigung und letztendlich in Liebe gewandelt. Seit ein einigen Wochen sind wir ein Paar. Eine Beziehung die mich erfüllt, aber auch ihre Schwierigkeiten mich sich bringt. Wann oute ich mich vor meinen Kindern? Wie und wann darf ich den „Stiefvater“ vorstellen? Meine Frau und ich entschlossen uns, den Kindern vorerst nichts zu sagen. Hätte auch noch eine Weile gutgehen können, obwohl es an meinen Zielen der Ehrlichkeit arg genagt hat. Vor ein paar Wochen kam meine große Tochter zu mir und hielt nach wenigen Schritten in mein Wohnzimmer ein eindeutiges Magazin in der Hand, dass ich vergessen hatte wegzuräumen. Verlegenes und verschämtes Geplänkel…. Am nächsten Tag bin ich nach Hause gefahren und habe mit ihr alles besprochen. Meine Tochter erklärte mir, dass es für sie kein Problem sei und sie mich weiterhin lieben würde. Im anschließenden Gespräch mit meiner Frau wurde ich von ihr auf das Schärfste angegangen. Was ich alles dem Kind durch meine Schlamperei (das nicht weggeräumte Heft) antuen würde… Ich solle gefälligst die Kinder nicht belasten… usw. War wirklich ein harter Schlag, den sie da nicht zu Unrecht austeilte. Wir beschlossen aber, unsere jüngere Tochter nicht mit ins Boot zu nehmen, um wenigstens sie nicht zu belasten. Unser kleiner hat meinen Freund schon im Dezember kennengelernt. Hin und wieder treffen wir uns zu Dritt, was uns viel Spaß macht, nicht zuletzt weil sich Freund und Sohn gut verstehen. Und der Kleine natürlich auch noch keine Fragen stellt.
    Aber jetzt wieder zum heutigen Date mit meiner jüngeren Tochter…
    Sowohl meine Frau als auch ich haben mit mehreren (Jungend)Therapeuten zum Thema gesprochen. Sie gaben uns alle unabhängig von einander den dringenden Rat, mich schnellstmöglich vor ihr zu outen. Also bin ich heute morgen nach Hause gefahren, da sie heute erst spät zur Schule musste. Meine Frau und ich war es wirklich elendig zumute. Ich habe das Gespräch eingeleitet. Von wegen, dass es jemanden neues in meinem Leben geben würde und dass es sich nicht um eine Frau sondern um einen Mann handele. Meine Tochter ist fast vom Stuhl gefallen. Sie hat mich noch ein paar Sätze sagen lassen, hat dann aber das Zimmer verlassen. Ich hätte ihr noch so gerne gesagt, dass sich an meiner väterlichen Liebe zu ihr niemals was ändern wird. Aber sie ließ mich nicht mehr in ihre Nähe „Geh weg!!!) Und das quält mich jetzt schon seit Stunden. Hab die Tränen bis zum Anschlag stehen, aber sie kommen nicht raus.
    Ich habe aber die Hoffnung, dass sich das Gefühlschaos bei meiner Tochter vielleicht schon bald legen wird und wir wieder zueinander finden können…
    Ich kann nur allen Vätern, die mit sich hadern, empfehlen mutig zu sein, und sich zu outen.
    Trotz aller Angst vor den Reaktionen der Kinder, es hilft, nicht zuletzt die eigene Seele zu heilen.
    VG Dreg

    • Hallo Dreg, lieben Dank für deinen Kommentar und Respekt vor deinem Mut! Ich kann dir nur sagen, dass ich beim Coming out meines Vaters genauso reagiert habe wie deine Tochter. Ich musste auch erstmal aus dieser Situation raus und das sacken lassen. Dann wurde mir aber schnell klar, dass das Schwul sein an meiner Beziehung zu Papa nix ändert und er mich immer noch sehr lieb hat. Vielleicht hilft dir das ein bisschen. LG Anna-Lena

    • Lieber Dreg,
      dein Kommentar hat mich sehr berührt – ich war auch 15 als mein Vater sich endlich geoutet hat. Meine Eltern hatten es mir und meinem jüngeren Bruder lange nicht erzählen wollen, um uns zu schützen. Ich kann nur von mir sprechen, ich habe es jedenfalls lange Zeit vorher geahnt, Kinder spüren es einfach, wenn etwas nicht in Ordnug ist. Viel schlimmer als die Tatsache dass Papa schwul ist hat mich damals getroffen dass meine Eltzern es mir nicht erzählt haben. Das hat mich fertig gemacht. Darauf war ich wütend, auf beide Eltern.

      Aber egal was danach passiert ist – die erste Zeit war echt schwierig – mein Papa ist und bleibt mein Papa. Er ist ein toller Vater mit guten und nicht ganz so guten Seiten, und er ist eben ein bisschen „anders“. Mein Papa hat keine Angst Gefühle zu zeigen, ich kann mit ihm über alles reden, meine Eltern sind sehr gute Freunde. Wer kann so etwas schon von sich behaupten?

      Mittlerweile sind 15 Jahre seit seinem Outing vergangen. Wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umschaue, gibt es kaum jemanden in meinem Alter der so ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern hat wie ich… einfach weil wir absolut ehrlich zueinander sein können.

      Ich wünsche Dir und Deiner Tochter viel Kraft für die nächste Zeit, hab Geduld!

      Liebe Grüße

      Emmi

  3. Hi 🙂
    ich hab durch Zufall gerade deinen Blog gefunden…Mein Vater ist eben auch schwul deswegen wollte kurz mal schreiben : bei mir war das ganze etwas anders… meine Eltern haben sich scheiden lassen da war ich 5 (meine mutter hatte einen neuen Freund) und mein vater hat für sich selbst etwas später raus gefunden dass er auf Männer steht (ob das meine Mutter zu ihrem Neuen getrieben hat keine Ahnung ) . Mein Vater outete sich bei allen in seinem Umfeld in den folgenden Jahren nur mich hat er ausgelassen , erst in einem Streit mit meiner Mutter ist ihr das „große Geheimnis“ raus gerutscht-mein vater war dann natürlich sauer- genau wie ich ! er hat das ganze 6 Jahre verheimlicht obwohl ich ihn öfter nach einer Freundin gefragt hatte… Gut letztendlich habe ich ihm dann „verziehen“ und wohne ich ziemlich seitdem (4 Jahre) bei ihm und seinem Freund ( hatte/habe mit meiner Mutter viel Stress) aber so ganz perfekt ist die Situation noch nicht…. Jetzt wollte ich mal fragen ob du mittlerweile ( weiß natürlich nicht wie lange das alles bei dir her ist) damit klar kommst oder du auch noch manchmal damit „kämpfst“?….. ist leider nicht so einfach Gleichgesinnte zufinden
    Liebe Grüße !

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  6. hallo anna lena, ich habe deinen blog eben erst entdeckt – ich selbst bin betroffene (ex)ehefrau eines schwulen mannes/vaters – und besonders interessiert mich, wie die „situation“ aus der sicht eines kindes ist. meine trennunng liegt schon 8 jahre zurück u unsere kinder waren noch im kindergartenalter. wir haben ihnen den grund der trennung erst ein gutes jahr später – als mein exmann seinen ersten festen freund hatte – gesagt u da sie so klein waren, war das ganze gar kein thema für sie. sie sind damit normal gross geworden… klar gabs momente, wo es ihnen peinlich war (wenn schwul auf dem schulhof als schimpfwort verwendet wird), aber ich glaube, für kinder spielt die sexualität der eltern ja sowieso keine grosse rolle.
    den film habe ich auch gesehen u genau wie du fand ich diese szenen mit den kindern schlimm… die frau hofft ja auch noch auf „ein gutes ende“ u dazwischen die kinder, die ja ihren papa mit der mama zusammen haben wollen… ich glaube, da tut man gut daran erst dann mit den kindern offen zu sprechen, wenn zwischen den eltern alles geklärt ist – dann kommen sie mit offenheit am besten klar. ganz schlimm finde ich, wenn sowas existenzielles versucht wird vor den kindern zu verheimlichen, das geht meistens schief…
    werde mich mal weiter durch deinen blog lesen 🙂 viele grüsse! carolin

    • Liebe Carolin,

      lieben Dank für deine Rückmeldung! Das freut mich sehr. Ich hoffe, du findest noch einiges Interessantes und du bleibst so mit dem Blog in Kontakt 🙂

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