Lange nichts gehört

Mein letzter Blogpost ist schon ziemlich lang her. Man könnte meinen, es wäre seitdem nichts passiert. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Es ist viel passiert. Zu viel, um überhaupt noch zum Schreiben zu kommen. Aber da es hier um das Leben mit einem schwulen Papa geht, wäre das hier fehl am Platz.

Der Artikel in der BILD-Zeitung hat in meiner Familie noch einige Wellen geschlagen: Ich hatte das Interview zwar mit den „direkt betroffenen“, nämlich meinem Papa, seinem Freund und meiner Mutter abgesprochen, nicht aber mit dem Rest meiner Familie. Sie waren daraufhin sehr enttäuscht und sauer – allerdings gar nicht so sehr auf mich, sondern eher auf die allgemeine Tatsache, dass das Schwulsein meines Papas jetzt so prominent in der BILD steht. Um mich und mein Anliegen, nämlich, dass man sehr gut mit einem schwulen Papa leben kann, ging es komischerweise überhaupt nicht.

Das hat mir bewusst gemacht, dass wir als Familie wohl immer noch in einem Akzeptierungs- bzw. Tolerierungsprozess stecken und ich da womöglich eine Schwelle übertreten habe, zu denen die anderen noch nicht bereit waren (und vielleicht auch nie bereit sein werden). Es ist eben ein großer Schritt zwischen „wir akzeptieren es“ und „die ganze Welt kann es auch erfahren“.

Dagegen waren die Reaktionen aus dem Freundeskreis meines Papas und auch meiner eigenen Kollegen so positiv und ermutigend, dass ich es auf keinen Fall bereue ein solches Interview gegeben zu haben.

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3 Gedanken zu „Lange nichts gehört

  1. Manchmal ist es vielleicht notwendig, die Mitmenschen mit sanfter Gewalt auf die Tatsache hinzuweisen, dass es nichts, absolut nichts, bedeutet, wenn jemand schwul ist. Oftmals wird wohl eher daran gedacht, was die Nachbarn/Freunde denn nun davon denken sollen.
    Viel wichtiger ist es doch, wie man sich selbst fühlt.

    • Ja, da gebe ich dir voll und ganz Recht! Aber dieses „Darübernachdenken was andere denken“ hat eben auch oft Auswirkungen auf einen selbst und wie man sich fühlt.

      • Man sollte nicht zuviel nachdenken – aber es lässt sich wohl nicht immer vermeiden.

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