Religion und das Gefühl des Ankommens

Früher waren wir oft in der Kirche. Es war eine nette kleine Pfarrei, in der wir als Familie bekannt und engagiert waren. Mein Papa war damals zudem bei der katholischen Kirche angestellt, er war dort Referent in der Jugendarbeit. Ich selbst war einige Zeit Messdiener und oft bei seinen Veranstaltungen mit dabei. Ich habe die engagierten jungen Leute und Kollegen um meinen Papa immer bewundert. Sie und die kirchlichen Rituale haben mich geprägt.

Da war es für mich schon ein kleiner Schock, als mein Vater vor einiger Zeit verkündete, er sei aus der Kirche ausgetreten. Aus den naheliegenden Gründen, dass die katholische Kirche nicht gerade offen und tolerant gegenüber Homosexuellen ist. Dass er nicht mehr für eine solche Institution arbeiten und auch kein Teil mehr davon sein möchte, kann ich natürlich voll und ganz nachvollziehen.
Es war für mich trotzdem schwer zu verstehen, dass plötzlich die Ansichten und Werte, die ich als Kind über die Religion vermittelt bekommen habe, nicht mehr richtig sein sollten. Ich war enttäuscht und auch ein bisschen wütend. Bis ich verstanden habe, dass die Enttäuschung über die alten und verkrusteten Ansichten der Institution Kirche bei meinem Papa in seiner jetzigen Lebenslage einfach sehr schwer wiegen, er aber damit nicht weniger Vertrauen zu Gott hat und damit meine Erziehung nicht falsch war.

Trotzdem sehne ich mich nach einer gewissen Spiritualität und auch nach etwas Beständigem in meinem Leben. Der Glaube und der Gottesdienst ist so ziemlich die einzige Sache, die noch genauso ist wie in meiner Kindheit und die mich an sie erinnert.
Seit Ostern war ich deshalb wieder ein paar mal in der Kirche. Es ist eine moderne Gemeinde – der Ablauf, der Pfarrer, die Menschen dort und vor allem die Lieder tun mir gut und geben mir im Kleinen Halt. Im Großen gibt es natürlich viele Punkte, die mich an der Institution Kirche stören. Aber noch wiegen sie nicht schwerer als das Gefühl des „Ankommens“ in und nach einem Gottesdienst.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreib hier einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s