Das Bauchgefühl

Für 2015 hatte ich mir keine «Gute-Vorsätze-Liste» geschrieben, sondern mir vorgenommen, mehr auf meinen Bauch zu hören.

Nun ist das oft nicht leicht überhaupt herauszufinden, was der Bauch einem sagen will. Wir sind darauf trainiert Entscheidungen mit dem Kopf zu treffen:

Soll ich das neue Projekt auf der Arbeit annehmen? (Ja, das liest sich gut in deinem Lebenslauf)
Soll ich wieder umziehen? (Nein, das kostet doch nur)
Soll ich Freitagabend einfach mal daheim bleiben (Nein, deine Freunde erwarten, dass du mitkommst)

Als es dieses Jahr um die Entscheidung ging, wohin ich in Urlaub fahren möchte, musste ich erst einmal die Entscheidung treffen: Mit wem? Und da, ganz plötzlich, schaltete sich mein Bauch ein und sagte: Mach einfach etwas ganz für dich alleine. Und so hab ich meine Sachen gepackt und bin alleine nach Korfu. Erst ein paar Tage in die Hauptstadt, dann zum Yoga an den Strand. Es war intensiv, erholsam und ich habe Dinge erlebt, die man nur erleben kann, wenn man allein unterwegs ist. In diesem Urlaub war allerdings das Smartphone mein ständiger Begleiter. Nicht um Mails oder Facebook zu checken, sondern um mir Notizen zu schreiben. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken und ich musste sie aufschreiben, um sie ordnen zu können.

Erst viel später wurde mir bewusst, dass es gar nicht so sehr mein Kopf war, der sich da zu Wort gemeldet hat, sondern viel mehr mein Bauch. Ich muss schreiben, um herauszufinden, was er mir sagen will. Wenn die Gedanken oder Ideen nur so dahin streifen, lasse ich sie wieder gehen, ohne tiefer in ihnen zu graben. Wenn ich etwas aufschreibe, rückt es in mein Bewusstsein und mir wird oft erst dann klar, was ich wirklich denke und fühle. Vom Bauch über den Stift aufs Papier in den Kopf.

Auch schon vor 10 Jahren, habe ich alles zur Trennung meiner Eltern aufgeschrieben. Besonders der Tag an dem ich von der Trennung erfuhr, ist auf sieben Din A4-Seiten mit Füller detailliert beschrieben. Und auch heute noch schreibe ich Briefe an Menschen mit denen ich «Redebedarf» habe.

Vielleicht ist auch das ein Grund, wieso ich hier diesen Blog schreibe. Als persönliche Therapie sozusagen. Mit einem Unterschied: Die Notizen aus Korfu hat nie jemand gelesen und auch die Briefe schicke ich nie ab. Sie sind nur für mich gedacht. Das verhält sich mit diesem Blog anders. Er ist für jeden lesbar und durch die Rückmeldungen für mich so wertvoll geworden. Danke dafür!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Gedanken zu „Das Bauchgefühl

Schreib hier einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s